Kuros
Begriff und Funktion
Der Begriff leitet sich vom griechischen koûros (κοῦρος) ab, was einen Jüngling oder jungen Mann bezeichnet. Diese Statuen dienten als Grabmale oder als Weihgeschenke in Heiligtümern, wie etwa im Heraion von Samos dokumentiert. Die Ausführung erfolgte meist aus marmornen Insulärblöcken von Naxos oder Paros.
Stilformen und Entwicklung
Die Typologie umfasst die Zeitspanne von ca. 650 v. Chr. (Sounion-Kuroi) bis ca. 480 v. Chr. (Kritiosknabe). Das Standmotiv folgt einer strengen Frontalansicht, wobei das linke Bein vorgesetzt ist und beide Fäuste an den Schenkeln ruhen. Frühe Formen wie die Sounion-Kuroi (Athen, Nationalmuseum, Inv. 2720) zeigen das archaische Lächeln und eine starre Symmetrie. Brunilde Sismondo Ridgway (The Archaic Style in Greek Sculpture, 1977) beschreibt die Entwicklung der anatomischen Präzision in dieser Phase. Der Aristodikos (Athen, NM 3938) fungiert als Übergangsfigur. Der Kritiosknabe (Akropolismuseum Athen, Inv. 698) markiert um 480 v. Chr. den Wendepunkt zur Klassik durch die Einführung des Kontraposts. Gisela Richter (Kouroi: Archaic Greek Youths, 1970) ordnet diesen Typus dem Ende der Archaik zu.