Non finito

Der italienische Ausdruck non finito bezeichnet Skulpturen, in denen Teile der Figur absichtlich unvollendet bleiben. Roher Stein, sichtbare Bearbeitungsspuren und unbearbeitete Flächen treten in unmittelbaren Dialog mit den glatt polierten Partien. Michelangelo Buonarroti gilt als prägende Figur dieser Praxis; seine späten Sklaven für das Grabmal Julius II. (1513–1534, Florenz, Galleria dell’Accademia) gehören zu den meistdiskutierten Beispielen. Auguste Rodin nahm das Verfahren im 19. Jahrhundert wieder auf und ließ etwa in der Hand Gottes (1898) eine Figur aus dem ungebrochenen Marmorblock hervortreten.