Lorenzo Ghiberti

Lorenzo Ghiberti (1378–1455) war ein florentinischer Bildhauer und Goldschmied. Er prägte die Entwicklung der Metallplastik in der Frührenaissance durch die großformatigen Bronzereliefs des Florentiner Baptisteriums. Seine Werkstatt fungierte über fünf Jahrzehnte als zentraler Ausbildungsort für die nächste Generation bedeutender Künstler.

Ghiberti arbeitete primär mit Bronze und vergoldetem Metall. Sein Stil verbindet spätgotische Eleganz mit den neuen Prinzipien der perspektivischen Raumgestaltung. Die Datierung seiner Hauptwerke orientiert sich an den langjährigen Werkstattperioden, wobei die Arbeiten am Baptisterium die Entwicklung von der flachen Reliefkunst zur tiefenräumlichen Komposition dokumentieren.

Lebenslauf

Lorenzo Ghiberti wurde 1378 in Florenz geboren. Er begann seine künstlerische Ausbildung als Goldschmied bei seinem Stiefvater Bartolo, der in zeitgenössischen Quellen oft unter dem Namen „Bartoluccio“ geführt wird. Diese handwerkliche Basis bildete das Fundament für seine spätere Arbeit mit Metalllegierungen und die Beherrschung des feinen Reliefs.

Der entscheidende Wendepunkt seiner Karriere trat im Jahr 1401 ein. Der Wettbewerb für die Nordtüren des Florentiner Baptisteriums sicherte ihm den Ruhm und den Auftrag für das erste Portal. Ghiberti blieb bis zu seinem Tod am 1. Dezember 1455 in Florenz tätig. Er wurde in der Basilika Santa Croce beigesetzt.

Skulptur von Lorenzo Ghiberti
(Barcelona) Cathedral Interior - Baptismal fonts - Bas-relief of the baptism of Christ, Didier Descouens, Taken on 7 May 2018. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Werkstatt

Die Werkstatt Ghibertis operierte über 50 Jahre lang in Florenz. Sie produzierte sowohl großformatige Bronzeplastik als auch kleinteilige Goldschmiede-Werke. Giorgio Vasari bezeichnete diesen Betrieb in seinem Werk Le vite (1568, Vita Ghibertis) als „Akademie der Skulptur“. Die Werkstatt war ein Ort der systematischen Ausbildung und technischen Innovation.

Zu den bedeutendsten Schülern und Mitarbeitern zählten Donatello, der zwischen 1410 und 1417 in der Werkstatt tätig war. Auch Paolo Uccello und Antonio Pollaiuolo arbeiteten in diesem Umfeld. Bernardo Cennini gehörte ebenfalls zum Kreis der Fachkräfte. Die Werkstatt vermittelte die Techniken des Wachsausschmelzverfahrens und die mathematische Anwendung der Perspektive auf die plastische Oberfläche.

Wettbewerb 1401

Im Jahr 1401 setzte die Arte della Lana, die Wollweberzunft, einen Wettbewerb für das Nordtor des Florentiner Baptisteriums aus. Das Thema der Konkurrenzplatte war die „Opferung Isaaks“. Ghiberti trat gegen Brunelleschi und sechs weitere Bildhauer an. Er gewann den Wettbewerb, während Brunelleschi den zweiten Platz belegte.

Die beiden Konkurrenzplatten sind heute im Museo Nazionale del Bargello in Florenz aufbewahrt. Der Ausgang dieses Wettbewerbs gilt als kunsthistorischer Wendepunkt der Florentiner Renaissance. Während Ghiberti die monumentale Bronzerelief-Tradition fortführte, wandte sich Brunelleschi nach dieser Niederlage verstärkt der Architektur zu, was später zur Konstruktion der Domkuppel führte.

Hauptwerke — Nordtor und Paradiestür

Das Florentiner Baptisterium-Nordtor entstand zwischen 1403 und 1424. Es besteht aus 28 quadratischen Reliefs, welche Szenen aus dem Neuen Testament zeigen. Ergänzt wird die Komposition durch acht Figuren von Kirchenvätern und Evangelisten. Das Material ist Bronze, die Oberfläche ist vergoldet.

Der Paradiestür (Osttor) wurde zwischen 1425 und 1452 gefertigt. Er umfasst 10 große quadratische Reliefs mit Szenen aus dem Alten Testament. Michelangelo bezeichnete dieses Werk in Vasaris Bericht als „Pforte des Paradieses“. Beide Türen tragen die Signatur OPVS LAVRENTII FLO.

Weitere Hauptwerke

Ghiberti schuf bedeutende Einzelplastiken für die Nischen der Orsanmichele in Florenz. Der Heiliger Johannes der Täufer wurde zwischen 1413 und 1416 produziert. Der Heiliger Matthäus folgte im Zeitraum von 1419 bis 1422. Beide Arbeiten bestehen aus Bronze.

Ein weiteres zentrales Projekt war der Schrein des Heiligen Zenobius für den Florentiner Dom. Die Arbeit an diesem Bronzeschrein dauerte von 1432 bis 1442 an. Diese Werke belegen die Fähigkeit des Künstlers, komplexe narrative Programme in einem geschlossenen plastischen Rahmen umzusetzen.

Commentarii und Werkstatt-Selbstreflexion

Ghiberti verfasste die Commentarii, eine dreibändige Schrift zwischen 1447 und 1455. Das Werk blieb unvollendet, stellt jedoch die erste autobiografische und kunsttheoretische Reflexion eines Bildhauers in der italienischen Tradition dar. Es liefert Informationen über die Werkstattpraxis und den Stand der bildhauerischen Theorie seiner Zeit.

Der Erstdruck der Commentarii erfolgte erst im Jahr 1912. Die Schrift dient der Forschung als primäre Quelle für das Verständnis der handwerklichen Abläufe und der künstlerischen Selbstwahrnehmung des 15. Jahrhunderts. Richard Krautheimer und Trude Krautheimer-Hess beschreiben in ihrer Untersuchung Lorenzo Ghiberti (Princeton, 1956) die Bedeutung dieser Texte für die Rekonstruktion der Renaissance-Werkstatt.

Volker Krahn (Hg.) weist in Von allen Seiten schön. Bronzen der Renaissance (Berlin, 1995) auf die technische Komplexität der Ghiberti-Platten hin. Die Oberflächenbehandlung und die Integration der Figuren in den architektonischen Rahmen der Reliefs bleiben zentrale Untersuchungspunkte der Metallplastikforschung.

Abbildungen

  • Skulptur von Lorenzo Ghiberti
    (Barcelona) Cathedral Interior - Baptismal fonts - Bas-relief of the baptism of Christ, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Archaeodontosaurus" title="User:Archaeodontosaurus">Didier Descouens</a>, Taken on 7 May 2018. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  • Skulptur von Lorenzo Ghiberti
    (Venice) Baptism of Christ by Jacopo Tintoretto - San Silvestro, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Archaeodontosaurus" title="User:Archaeodontosaurus">Didier Descouens</a>, Taken on 9 May 2023. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  • Skulptur von Lorenzo Ghiberti
    Baptism of Christ by Cima da Conegliano, <bdi><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/en:Cima_da_Conegliano" class="extiw" title="w:en:Cima da Conegliano"><span title="Italian Renaissance painter (c. 1459–d. 1517)">Giovanni Battista Cima da Conegliano</span></a></bdi>, 1492 <span class="mw-valign-text-top noprint" typeof="mw:File/Frameless"><a href="https://www.wikidata.org/wiki/Q3636743#P571" title="Edit this at Wikidata"><img alt="Edit this at Wikidata" src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8a/OOjs_UI_icon_edit-ltr-progressive.svg/20px-OOjs_UI_icon_edit-ltr-progressive.svg.png?utm_source=commons.wikimedia.org&amp;utm_campaign=parser&amp;utm_content=thumbnail" decoding="async" width="10" height="10" class="mw-file-element" data-file-width="20" data-file-height="20"></a></span>. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  • Skulptur von Lorenzo Ghiberti
    Fonte battesimale, lorenzo ghiberti, battesimo di cristo, 1427, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Sailko" title="User:Sailko">sailko</a>, 2011-10-04 13:31:23. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
  • Skulptur von Lorenzo Ghiberti
    Formella 04, lorenzo ghiberti, battesimo di cristo, 1427, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Sailko" title="User:Sailko">sailko</a>, 2011-10-04 13:31:23. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
  • Skulptur von Lorenzo Ghiberti
    Interior of Santi Giovanni e Paolo (Venice) - The Baptism of Christ by Pietro Mera, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Archaeodontosaurus" title="User:Archaeodontosaurus">Didier Descouens</a>, Taken on 13 May 2015. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

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