Skopas
Skopas war ein griechischer Bildhauer der spätklassischen Periode. Er stammte von der Insel Paros, die für ihre Marmorbrüche bekannt ist. Seine Hauptwirkungsphase erstreckte sich über den Zeitraum von 380 bis 330 v. Chr. Der Künstler wirkte in verschiedenen Zentren des griechischen und kleinasiatischen Raums, darunter Tegea auf dem Peloponnes, Halikarnassos, Athen und Theben.
Er gehört zu den bedeutendsten Bildhauern des 4. Jahrhunderts v. Chr. Neben der plastischen Gestaltung war er auch als Architekt tätig. Dies unterscheidet ihn von seinen zeitgenössischen Kollegen, die primär auf die Skulptur konzentrierten. Sein Stil beeinflusste die Entwicklung der Bildhauerei maßgeblich durch die Einführung einer neuen emotionalen Ausdruckskraft.
Lebenslauf und Wirkungszeit
Skopas wurde um 400 v. Chr. auf Paros geboren. Seine künstlerische Tätigkeit erreichte zwischen 380 und 330 v. Chr. ihren Höhepunkt. Er arbeitete in weit verzweigten Werkstattstrukturen, die den gesamten östlichen Mittelmeerraum umfassten. Ein wesentlicher Standort war Tegea, wo er sowohl als Bildhauer als auch als Architekt fungierte.
Nach dem Brand des Athena-Alea-Tempels im Jahr 395 v. Chr. übernahm er den Wiederaufbau der Anlage. Diese Doppelfunktion als Architekt und Bildhauer ist für die spätklassische Epoche untypisch. Seine Werkstätten in Halikarnassos und Athen dienten der Ausführung großformatiger Monumentalprojekte. Die geografische Streuung seiner Arbeiten belegt eine hohe Mobilität und die Anerkennung durch verschiedene politische Akteure.
Mausoleum von Halikarnassos
Das Mausoleum von Halikarnassos gehört zu den Sieben Weltwundern der Antike. Der Bau wurde zwischen 353 und 350 v. Chr. für Mausolus errichtet, den Satrapen der persischen Provinz Karien. Skopas war einer von vier Hauptbildhauern, die dieses monumentale Grabmal gestalteten. Zu seinen Kollegen gehörten Bryaxis, Timotheos und Leochares.
Plinius der Ältere führt in der Naturalis historia (Buch 36, Kap. 30) an, dass jeder dieser Künstler eine Seite des Bauwerks bearbeitete. Die plastische Ausstattung des Mausoleums war von außergewöhnlicher Komplexität. Fragmente des Frieses befinden sich heute im British Museum unter der Inventarnummer 1857,1220.1. Diese Reste erlauben Rückschlüsse auf die monumentale Skalierung und die kompositorische Dichte der Arbeiten.
Athena Alea in Tegea
Der Tempel der Athena Alea in Tegea wurde zwischen 380 und 340 v. Chr. errichtet. Skopas war an der Planung des Bauwerks und der Gestaltung der Skulpturen beteiligt. Der Westgiebel zeigt die Kalydonische Eberjagd, während der Ostgiebel den Kampf zwischen Achilleus und Telephos darstellt.
Pausanias beschreibt in der Hellados Periegesis (Buch 8, Kap. 45), dass die Skulpturen über dem Tempel in Tegea nach den Werken in Athen die schönsten in ganz Griechenland waren. Die Skulpturreste dieser Giebelarbeiten sind heute im Tegea-Museum auf dem Peloponnes aufbewahrt. Diese Arbeiten dokumentieren den Übergang von der strengen Klassik zu einer expressiveren Formensprache.
Stil — Pathosdarstellung
Der Stil des Skopas ist durch eine ausgeprägte dramatische Bewegtheit definiert. Er entwickelte eine Form der Pathosdarstellung, die sich von der ausgewogenen Ruhe der Hochklassik abhebt. Charakteristisch sind tiefliegende Augenpartien und emotional gespannte Gesichtszüge. Diese Merkmale erzeugen einen intensiven psychologischen Ausdruck.
Plinius der Ältere bewertet die Arbeiten des Skopas in der Naturalis historia (Buch 36, Kap. 30) mit dem Begriff vehementem motum (heftige Bewegung). Diese zeitgenössische Beobachtung bestätigt die Dynamik seiner Kompositionen. Der Skopas gilt als Vorläufer des hellenistischen Pathos-Stils. Seine Formensprache findet sich in der späteren Entwicklung der Sterbenden Gallier aus Pergamon oder der Laokoon-Gruppe wieder.
Hauptwerke und Repliken
Ein bekanntes Werk, das heute nur in Kopien existiert, ist die Mainade tanzend. Die beste Replik dieses verlorenen Originals befindet sich im Albertinum Dresden unter der Inventarnummer ZV 84. Ein weiteres wichtiges Werk ist der Apoll Patroos, dessen antikes Original im Agora-Museum in Athen aufbewahrt wird.
Die Allegorie der Sehnsucht, bekannt als Pothos, ist durch römische Marmorkopien in den Kapitolinischen Museen überliefert. Auch die Friesfragmente des Mausoleums im British Museum bleiben zentrale Zeugnisse seiner Arbeit. Die Verbreitung dieser Motive in der römischen Kaiserzeit zeigt die anhaltende Rezeption seines Stils.
Forschung und Werkverzeichnis
Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Skopas stützt sich auf antike Quellen wie Plinius und Pausanias. Moderne Studien haben die Zuschreibungen präzisiert. Andrew Stewart liefert in seinem Werk Skopas of Paros (Park Ridge NJ 1977) eine umfassende Analyse seiner Lebensumstände und Wirkungsbereiche.
Brunilde Sismondo Ridgway bietet in Fourth-Century Styles in Greek Sculpture (Madison 1997) eine Einordnung der stilistischen Merkmale in den Kontext des 4. Jahrhunderts. Die Forschung konzentriert sich hierbei auf die Unterscheidung zwischen Werkstattproduktionen und eigenhändiger Ausführung. Eine Untersuchung der Oberflächenbeschaffenheit der Tegea-Reste erfolgte im Rahmen der Konservierungsmaßnahmen des Tegea-Museums.
Abbildungen
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(Venice) Head of Athena, influenced by Skopas - Museo archeologico nazionale, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Archaeodontosaurus" title="User:Archaeodontosaurus">Didier Descouens</a>, Taken on 11 May 2023. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, -
Meleager Pio-Clementino, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Yair-haklai" title="User:Yair-haklai">Yair Haklai</a>, 2009-10-02 11:09:20. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Meleager Pio-Clementino - replica in Pushkin museum 01 by shakko, shakko, 2019. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. -
Meleager Pio-Clementino - replica in Pushkin museum 02 by shakko, shakko, 2019. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. -
Meleager Skopas BM GR1906.1-17.1, Copy of Skopas?. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY 2.5. -
Meleagro, II sec da originale greco di skopas del IV sec. ac., <div class="fn value"> <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Sailko" title="User:Sailko">Sailko</a></div>, 26 November 2013, 12:15:35. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.