Chryselephantin-Technik
Die chryselephantine Technik bezeichnet eine antike Bildhauermethode, bei der Gold und Elfenbein zur Oberflächengestaltung monumentaler Statuen verwendet wurden. Diese Verfahrensweise war auf die Darstellung göttlicher Repräsentanten in sakralen Kontexten beschränkt. Die Konstruktion basierte auf einem internen Gerüst aus Holz, das als tragende Struktur diente.
Begriff und Material
Der Terminus leitet sich aus den griechischen Begriffen chrysos (Gold) und elephas (Elfenbein) ab. Da die benötigten Mengen an Edelmetallen und organischem Material extrem kostspielig waren, blieb die Anwendung fast ausschließlich auf die sakralen Hauptbilder der griechischen Polis beschränkt.
Die technische Basis bildete ein massiver Holzkern, wobei die Materialwahl vermutlich auf Zypressen- oder Zedernholz fiel, da diese Hölzer eine hohe Stabilität bei gleichzeitig geringem Gewicht bieten. Auf diesem Kern wurden die Hautpartien der Figuren durch dünne Elfenbein-Plättchen realisiert. Diese bedeckten das Gesicht, die Arme, Beine und Füße. Die Bekleidung, wie etwa Mäntel oder Drapierungen, wurde durch Goldplatten dargestellt. Der Materialaufwand war so hoch, dass die Statuen oft als finanzielle Reserve der jeweiligen Stadtstaaten fungierten.
Werkstattpraxis
Die Herstellung erforderte eine komplexe Zusammenarbeit zwischen Zimmerleuten, Tischlern und spezialisierten Bildhauern. Der Holzkern wurde in mehreren Teilen geschnitzt und überlappend eingestockt, um die monumentale Größe zu ermöglichen. Die Montage der Goldplatten erfolgte abnehmbar. Dies geschah bei der Athena Parthenos (Phidias, 438 v. Chr., Parthenon Athen), wobei der Gold-Mantel gezielt abgenommen und gewogen werden konnte. Diese Praxis diente der staatlichen Registrierung des Goldes als Reserve.
Die Bearbeitung des Elfenbeins erfolgte in Einzelschritten. Die Plättchen wurden individuell geschliffen und teilweise polychromiert, bevor sie mit Tonleim auf dem Holzkern befestigt wurden. Für die Augen der Statuen kamen häufig Edelsteine zum Einsatz, um den lebendigen Ausdruck zu verstärken. Die präzise Passung zwischen den harten Goldflächen und den organischen Elfenbeinpartien erforderte eine exakte Planung der Unterkonstruktion.
Hauptwerke
Die bekanntesten Beispiele dieser Technik sind mit dem Bildhauer Phidias verknüpft. Die Athena Parthenos (Phidias, 438 v. Chr., Parthenon Athen) wies eine Höhe von ca. 12 m auf. Plinius der Ältere beschreibt in seiner Naturalis historia (Buch 36, Kap. 18) die Pracht dieser Statuen. Pausanias nennt in der Hellados Periegesis (Buch 1, Kap. 24) ebenfalls Details zur Athena Parthenos.
Ein weiteres monumentales Werk war der Zeus von Olympia (Phidias, 437–432 v. Chr.). Diese Statue erreichte eine Höhe von ca. 13 m und galt als eines der Sieben Weltwunder der Antike. Pausanias dokumentiert die Existenz des Zeus von Olympia in der Hellados Periegesis (Buch 5, Kap. 11). Weitere chryselephantine Arbeiten umfassten die Hera von Argos (Polyklet, ca. 420 v. Chr.), die jedoch verloren ging, sowie den Asklepios von Epidauros (Thrasymedes, 4. Jh. v. Chr.) und den Apoll von Bassai.
Verlust und Repliken
Der hohe Materialwert des Goldes führte dazu, dass fast alle chryselephantinen Hauptbilder im Laufe der Geschichte verloren gingen. Die Statuen wurden in Kriegen oder bei religiösen Umbrüchen gezielt als Rohstoffquelle genutzt. Bei der Athena Parthenos wurde der Gold-Mantel bereits 296 v. Chr. durch den Tyrannen Lachares von Athen abgenommen.
Der Zeus von Olympia ging durch den Brand des Lauseion-Palastes in Konstantinpol um ca. 475 n. Chr. verloren. Da keine Originale existieren, stützt sich die Rekonstruktion der Werke auf antike Beschreibungen und kleine Repliken. Eine bekannte Kopie ist die Varvakeion-Statuette, welche die Form der Athena Parthenos im kleinen Maßstab wiedergibt.
Forschung und Wiederherstellung
Die archäologische Forschung lieferte wichtige Erkenntnisse über die Werkstattabläufe. Die Olympia-Werkstatt-Funde aus den Jahren 1954–58, welche unter anderem Tonformen, Elfenbein-Reste und Werkzeuge freilegten, gelten als wichtigster Beleg für die Praxis der Phidias-Werkstatt. Neville Birdsall analysierte diese Techniken in Greek Sculpture in Bronze (1973).
Wilfried Geominy unternahm in seinem Werk Athena Parthenos (Frankfurt 1987) detaillierte Rekonstruktionsversuche der Statue. Die Annahme einer polychromierten Oberfläche der Elfenbein-Plättchen wurde durch Pigmentanalysen in den 2010er Jahren bestätigt. Diese Untersuchungen zeigen, dass die Hautpartien nicht rein weiß blieben, sondern farblich angepasst wurden.
Abbildungen
-
Account of the construction of Athena Parthenos by Phidias, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.flickr.com/photos/64379474@N00">Tilemahos Efthimiadis</a>, 2009-06-27 17:01:25. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0. -
Atenea Partenos (Museo del Prado E-47) 01 cropped. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY 2.0. -
Roman - Head of a Goddess - Walters 23146, <div class="fn value"> <p><span lang="en">Anonymous</span> (Roman artist)<span style="display:none">Unknown author</span><br> </p> Copy after Phidias (Greek, ca. 500 BC-ca. 432 BC)</div>, 1<sup>st</sup> century <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/en:Ante_Christum_Natum" class="extiw" title="w:en:Ante Christum Natum">BC</a><div style="display: none;">date QS:P571,-050-00-00T00:00:00Z/7</div> ?- ?1<sup>st</sup> century <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/en:Anno_Domini" class="extiw" title="w:en:Anno Domini">AD</a><div style="display: none;">date QS:P571,+050-00-00T00:00:00Z/7</div> (Classical-Roman). Wikimedia Commons. Wikimedia Commons,