Rodins Balzac
Die Skulptur Balzac von Auguste Rodin ist ein monumentales Denkmal für den französischen Schriftsteller Honoré de Balzac. Das Werk entstand in der Bearbeitungsphase zwischen 1891 und 1898. Die Höhe der Bronze beträgt 270 cm. Rodin schuf die Figur als großformatiges Standmotiv, das die Proportionen eines Reiterstandbildes ohne Pferd einnimmt.
Der Auftrag für das Denkmal ging im Jahr 1891 von der Société des Gens de Lettres aus. Der damalige Vorsitzende der Gesellschaft war Émile Zola. Rodin arbeitete sieben Jahre lang an der plastischen Ausarbeitung der Gestalt. Das Gipsmodell wurde 1898 erstmals öffentlich präsentiert.
Auftrag und Datierung
Die Entstehung der Balzac-Statue ist eng mit dem Jahr 1891 verknüpft. Zu diesem Zeitpunkt beauftragte die Société des Gens de Lettres unter dem Vorsitz von Émile Zola den Bildhauer mit einem Denkmal für Honoré de Balzac. Rodin begann unmittelbar mit der Arbeit an der Form. Die Bearbeitungsphase erstreckte sich über den Zeitraum von 1891 bis 1898.
Die Skulptur ist als monumentale Gestalt konzipiert. Mit einer Höhe von 270 cm erreicht sie die Dimensionen, die üblicherweise Reiterstandbildern vorbehalten sind. Rodin verzichtete jedoch auf das Pferd und konzentrierte sich auf die psychologische Präsenz der menschlichen Figur. Die Datierung des Gipsmodells auf das Jahr 1898 ist durch die Ausstellung im Salon belegt.
Material und Werkstattgeschichte
Das fertige Denkmal besteht aus Bronze. Die technische Ausführung erfolgte im Wachsausschmelzverfahren in der Werkstatt Alexis Rudier in Paris. Das ursprüngliche Gipsmodell verblieb nach der Ablehnung des Werkes im Atelier des Künstlers in Meudon.
Das erste autorisierte Bronzeguss erfolgte erst im Jahr 1939. Dieser Vorgang fand 41 Jahre nach der kontroversen Präsentation des Gipsmodells im Jahr 1898 statt. Der endgültige Standort der Bronze ist der Boulevard Raspail in Paris, wo die Aufstellung 1939 vollzogen wurde. Antoinette Le Normand-Romain beschreibt in ihrem Rodin, Catalogue des Sculptures (Paris 2007) die Bedeutung der Werkstatt Rudier für die Qualität dieser Güsse.
Beschreibung und Komposition
Die Skulptur zeigt eine massiv wirkende Gestalt im Schlafrock. Rodin orientierte sich bei der Wahl der Kleidung an zeitgenössischen Berichten über die nächtlichen Schreibsessions Balzacs. Die Figur wirkt monolithisch. Eine Differenzierung der Oberfläche in kleinteilige anatomische Details fehlt weitgehend.
Der Kopf der Figur ist nach hinten geworfen. Diese Haltung vermittelt den Eindruck einer Trance. Rodin äußerte dazu, dass er die Gestalt aus den Worten Balzacs gemacht habe. Die Komposition verzichtet auf eine naturalistische Porträtähnlichkeit. Stattdessen betont die plastische Masse die schöpferische Energie des Subjekts.
Skandal und Ablehnung 1898
Im Jahr 1898 stellte Rodin das Gipsmodell im Salon der Société Nationale des Beaux-Arts aus. Die Reaktion der Auftraggeber war negativ. Die Société des Gens de Lettres lehnte das Werk ab. Die Mitglieder kritisierten die Skulptur als unfertig und unaehnlich. Da Rodin den Schriftsteller Balzac nie persönlich kennengelernt hatte, fehlte der Kommission die visuelle Grundlage für eine Anerkennung.
Rodin nahm das Gipsmodell nach dieser Ablehnung zurück. Er behielt es in seinem Atelier in Meudon. Die Skulptur blieb über Jahrzehnte als Gipsform erhalten. Erst 1939 wurde die erste Bronze gegossen und im öffentlichen Raum aufgestellt. Albert Elsen führt in The Gates of Hell by Rodin (1985) aus, wie dieser Skandal die Wahrnehmung der Moderne beeinflusste.
Rezeption und moderne Bewertung
Die zeitgenössische Kritik war gespalten. Rainer Maria Rilke lieferte in seiner Studie Rodin (1903) eine frühe Würdigung des Werkes. Er sah in der Skulptur eine neue Qualität der Ausdruckskraft. Im Gegensatz dazu bemerkte die Kunstkritik um 1900, etwa im Kontext von Wölfflins Analysen, den Effekt des Unfertigen als bewusstes künstlerisches Mittel.
In der Moderne verschob sich die Bewertung grundlegend. Rosalind Krauss analysiert in Passages in Modern Sculpture (1977) im ersten Kapitel die Balzac-Statue als Vorboten der modernen, non-figurativen Plastik. Die Reduktion der Form wird hier als Bruch mit der traditionellen Repräsentation verstanden.
Der heutige Standort der autorisierten Originalbronze ist der Boulevard Raspail in Paris. Neben diesem Exemplar existieren insgesamt 12 weitere autorisierte Zweitgüsse, die alle vor dem Jahr 1968 angefertigt wurden. Eine Konservierung der Bronzeoberfläche fand in den letzten Jahrzehnten durch regelmäßige Reinigung der Patina statt.
Abbildungen
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(Albi) Buste de Balzac - Auguste Rodin - 1891-1895 MTL.inv.379, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Archaeodontosaurus" title="User:Archaeodontosaurus">Didier Descouens</a>, Taken on 21 May 2021. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, -
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