Benvenuto Cellini

Benvenuto Cellini war ein italienischer Goldschmied und Bildhauer der Hochrenaissance. Er wurde am 3. November 1500 in Florenz geboren. Sein Wirken erstreckte sich über die bedeutendsten europäischen Höfe des 16. Jahrhunderts, wobei er sowohl in Frankreich als auch in Italien maßgebliche Positionen einnahm. Cellini arbeitete primär im Bereich der Kleinkunst und des Metallgusses.

Sein technisches Fundament legte er in Florenz. Er absolvierte eine Lehre als Goldschmied bei Antonio di Sandro. Nach dieser Ausbildung suchte er seine berufliche Entwicklung in verschiedenen italienischen Zentren. Ab 1519 war er in den Werkstätten von Rom und Pisa tätig. In Rom arbeitete er in den 1530er Jahren für die päpstliche Verwaltung unter Clemens VII. und Paul III.

Die französische Periode markiert einen Wendepunkt in seinem Werdegang. Zwischen 1540 und 1545 lebte er am Hof von Franz I. am Schloss Fontainebleau. Nach seiner Rückkehr nach Italien widmete er sich der florentinischen Phase unter den Medici. Er verstarb am 13. Februar 1571 in Florenz.

Lebenslauf

Die Biografie Cellinis ist durch eine hohe Mobilität zwischen den künstlerischen Zentren Europas gekennzeichnet. Die Ausbildung bei Antonio di Sandro in Florenz bildete die Basis für seine spätere Meisterschaft im Umgang mit Edelmetallen. Nach den frühen Jahren in Rom und Pisa folgte der Aufbruch nach Frankreich. Dort war er 1540–1545 am Hof von Franz I. tätig, wobei das Schloss Fontainebleau als primärer Arbeitsort diente.

Ab 1545 kehrte Cellini nach Florenz zurück. Er trat in den Dienst des Hauses Medici. Die Zeit unter Cosimo I. de' Medici prägte seine späte Schaffensphase bis zu seinem Tod im Jahr 1571. Seine Lebensführung, wie sie in seinen eigenen Schriften dokumentiert ist, zeigt einen Künstler, der zwischen handwerklicher Präzision und politischer Instabilität agierte.

Skulptur von Benvenuto Cellini
Apollo and Hyacinthus by Benvenuto Cellini, Yair Haklai, 2019-04-23 15:42:26. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Werkstatt und Auftraggeber

Cellini war ein hochgeschätzter Handwerker der herrschenden Eliten. In den 1530er Jahren fungierte er in Rom als Goldschmied für die Päpste Clemens VII. und Paul III. Diese Aufträge sicherten ihm den Zugang zu den kostbarsten Materialien der Zeit. Die Arbeit im Umfeld des Vatikans verlangte höchste technische Fertigkeiten in der Emaille-Technik und im Feingoldguss.

Der französische Hof bot zwischen 1540 und 1545 eine neue Plattform. Unter Franz I. am Schloss Fontainebleau schuf Cellini Objekte, die den Geschmack des französischen Manierismus bedienten. Nach seiner Rückkehr nach Italien wurde Cosimo I. de' Medici zu seinem bedeutendsten Auftraggeber. Die Verbindung zum florentinischen Hof ermöglichte ihm den Übergang von der Kleinkunst zur monumentalen Bildhauerei.

Stilentwicklung

Die künstlerische Entwicklung lässt sich in drei Phasen unterteilen. Die erste Phase umfasst die frühe Goldschmiedezeit. Hier steht die Arbeit mit Gold und Emaille im Vordergrund, wie das Salzfass Saliera (1540–43) belegt. Diese Arbeiten zeigen eine extreme Detaildichte und eine komplexe Oberflächengestaltung.

Die zweite Phase bildet die reife Bildhauerphase. Sie wird durch den monumentalen Auftrag für den Perseus mit dem Haupt der Medusa (1545–54) definiert. In dieser Zeit löste sich Cellini von der rein dekorativen Kleinkunst und widmete sich dem großformatigen Bronzeguss. Die Komposition folgt den Prinzipien des Manierismus, wobei die körperliche Dynamik im Zentrum steht.

Die dritte Phase umfasst das Spätwerk. Diese Zeit ist geprägt durch die Produktion von Porträtbüsten und weiteren Goldschmiedearbeiten. Ein Beispiel ist die Büste Cosimos I. (1545–48). Die Werke dieser Periode zeigen eine Konzentration auf die psychologische Präsenz der Dargestellten bei gleichzeitiger Beibehaltung der handwerklichen Exzellenz.

Hauptwerke

Saliera (Salzfass), 1540–43, Gold mit Email, heute Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. 881. Das Objekt zeigt die Meisterschaft im Umgang mit unterschiedlichen Metallen und Farben. Trotz eines Diebstahls im Jahr 2003 und der Rückgabe im Jahr 2006 bleibt es ein Referenzpunkt der Goldschmiedekunst.

Perseus mit dem Haupt der Medusa, 1545–54, Bronze, Loggia dei Lanzi, Florenz. Diese Skulptur stellt den Höhepunkt seines bronzeguss-technischen Könnens dar. Die Komposition nutzt die vertikale Achse des Standmotivs, um die dramatische Handlung zu strukturieren.

Büste Cosimos I. de' Medici, 1545–48, Bronze, Bargello, Inv. 458. Das Werk dient als wichtiges Zeugnis der florentinischen Porträtkunst unter den Medici.

Crocifisso (Holzkreuzigung), 1556–62, Marmor, Escorial bei Madrid. Dieses Werk zeigt die Auseinandersetzung mit dem religiösen Sujet in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Vita als Werkstattbericht

Die Autobiografie La Vita di Benvenuto Cellini (verfasst 1558–66, Erstdruck Neapel 1728) stellt eine außergewöhnliche Quelle für die Erforschung der Renaissance-Werkstattpraxis dar. Es handelt sich um einen selten dokumentierten Bericht aus erster Hand. Der Text liefert technische Details über Materialbeschaffung, Legierungen und den Gussvorgang.

Besonders bedeutsam ist Buch II, die Kapitel 75–77. In diesen Passagen beschreibt Cellini den Bronzeguss des Perseus mit dem Haupt der Medusa. Er schildert die technischen Schwierigkeiten und den dramatischen Beinahe-Zusammenbruch während des Gusses. Diese Schilderung ermöglicht es der Forschung, die physischen Risiken des Wachsausschmelzverfahrens im 16. Jahrhundert nachzuvollziehen.

Die literarische Rezeption der Vita war erheblich. Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte seine Übersetzung unter dem Titel Leben des Benvenuto Cellini in den Jahren 1796–97. Diese Übertragung diente als wichtiger kunsthistorischer Vermittlungspunkt im deutschsprachigen Raum und prägte das Bild des Künstlers als exzentrisches Genie.

Rezeption und Werkverzeichnis

Die wissenschaftliche Aufarbeitung von Cellinis Werk erfolgte über verschiedene Epochen hinweg. John Pope-Hennessy lieferte mit Cellini (London 1985) ein Standardwerk, das die stilistische Einordnung der Objekte präzisierte. Eine umfassende Katalogisierung der Arbeiten erfolgte durch Erminia Mainini in ihrem Werk Cellini. Catalogo dell'opera (2004).

Die Erhaltung seiner Monumentalskulpturen ist Gegenstand kontinuierlicher Konservierung. Die Restaurierung des Perseus mit dem Haupt der Medusa fand zwischen 1996 und 2000 unter der Leitung des Opificio delle Pietre Dure statt. Dabei wurden die Oberflächenstruktur und die statische Integrität der Bronze untersucht.

Abbildungen

  • Skulptur von Benvenuto Cellini
    Apollo and Hyacinthus by Benvenuto Cellini, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Yair-haklai" title="User:Yair-haklai">Yair Haklai</a>, 2019-04-23 15:42:26. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  • Skulptur von Benvenuto Cellini
    Benvenuto Cellini's Perseus, <a href="//commons.wikimedia.org/w/index.php?title=User:Stryngford&amp;action=edit&amp;redlink=1" class="new" title="User:Stryngford (page does not exist)">Fredrik Posse</a>, 2006-10-03. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons,
  • Skulptur von Benvenuto Cellini
    Benvenuto cellini, apollo e giacinto, 1546-71 ca. (bargello), <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Sailko" title="User:Sailko">Sailko</a>, 2017-09-20 19:28:57. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY 3.0.
  • Skulptur von Benvenuto Cellini
    Benvenuto cellini, apollo e giacinto, 1548 ca. 01, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Sailko" title="User:Sailko">Francesco Bini</a>, 2014-06-16 16:28:03. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  • Skulptur von Benvenuto Cellini
    Benvenuto cellini, apollo e giacinto, 1548 ca. 02, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Sailko" title="User:Sailko">Francesco Bini</a>, 2014-06-16 16:28:08. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  • Skulptur von Benvenuto Cellini
    Benvenuto cellini, apollo e giacinto, 1548 ca. 03, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Sailko" title="User:Sailko">Francesco Bini</a>, 2014-06-16 16:27:56. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

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