Camille Claudel

Camille Claudel war eine französische Bildhauerin, die zwischen 1864 und 1943 lebte. Sie wurde am 8. Dezember 1864 in Fère-en-Tardenois (Aisne) geboren. Ihr Bruder war der Schriftsteller und Diplomat Paul Claudel. Nach dem Studium bei Alfred Boucher in Paris ab 1881 trat sie 1883 in die Werkstatt von Auguste Rodin ein. Zwischen 1885 und 1898 bestand eine persönliche Beziehung zu Rodin. Im Jahr 1913 wurde sie durch ihre Familie in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Camille Claudel starb am 19. Oktober 1943 in der Anstalt Montdevergues in der Provence.

Lebenslauf

Die Kindheit von Camille Claudel war geprägt durch das bürgerliche Milieu ihrer Familie in Fère-en-Tardenois. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1877 übernahm die Mutter die Erziehung der Kinder. Ab 1881 begann Claudel ihr Studium der Bildhauerei bei Alfred Boucher in Paris. Dieser Unterricht bildete das Fundament für ihre technische Ausbildung. 1883 suchte sie den Kontakt zu Auguste Rodin und trat in dessen Werkstatt ein. Die Beziehung zwischen Claudel und Rodin dauerte von 1885 bis 1898 an. Während dieser Zeit entwickelte sie eine eigenständige künstlerische Sprache, obwohl die biografische Verflechtung ihre Wahrnehmung lange beeinflusste.

Die psychische Instabilität der Künstlerin führte im Jahr 1913 zur Abgabe der elterlichen Sorge. Ihr Bruder Paul Claudel und ihre Mutter veranlassten am 10. März 1913 die Einweisung in die Anstalt Ville-Évrard. Im Jahr 1914 erfolgte die Verlegung nach Montdevergues. Dort verbrachte sie die restlichen 30 Jahre ihres Lebens. Sie blieb bis zu ihrem Tod am 19. Oktober 1943 in der Einrichtung.

Skulptur von Camille Claudel
20150125 roubaix031, Jean Housen, 2015-01-25 15:08:42. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Werkstatt mit Rodin

Claudel arbeitete von 1883 bis 1898 in der Werkstatt von Auguste Rodin in der Rue Folie-Méricourt. Ihre Tätigkeit umfasste die Mitarbeit an bedeutenden Projekten wie den Bürger von Calais und den Höllentore. Die Forschung wertet diese Mitarbeit seit den 1980er Jahren als substanzielle künstlerische Beteiligung auf, statt sie lediglich als assistierende Tätigkeit zu klassifizieren.

Ab 1885 entstanden neben der Mitarbeit an Rodins Objekten eigenständige Arbeiten. Ein entscheidender Wendepunkt war die Fertigstellung von Sakuntala im Jahr 1888. Dieses Werk markiert den Übergang zur reifen Eigenleistung. Die Koexistenz von assistierender Arbeit und individueller Schöpfung kennzeichnet diese Periode.

Eigene Werkstatt

Nach der Trennung von Rodin bezog Camille Claudel 1898 eine eigene Werkstatt in der Rue de l'Université 19 in Paris. Diese Phase dauerte bis 1913 an. In diesem Zeitraum produzierte sie über 90 dokumentierte Werke. Die Materialwahl umfasste Bronze für die meisten Aufträge, Marmor und Onyx. Claudel suchte den Kontakt zum Salon der Société Nationale des Beaux-Arts, um ihre Arbeiten zu präsentieren.

Hauptwerke

Das Werk Sakuntala (1888, Marmor) führte zum Erhalt eines Rodin-Stipendiums und einer Goldmedaille beim Salon. Ein weiteres zentrales Motiv ist Das Alter (1893–1903). Von diesem Werk existieren drei Bronzeversionen: eine befindet sich im Musée d'Orsay, eine im Musée Rodin und eine dritte im Musée Camille Claudel in Nogent-sur-Seine.

La Valse (1893–1905) wurde als Bronze in mehreren Gussformen produziert. Die Porträtplastik ist ebenfalls präsent, etwa durch den Buste de Rodin (1888–1898, Bronze), der heute im Musée Rodin unter der Inventarnummer S.06173 geführt wird. Eine Besonderheit der Materialkombination ist Profonde Pensée (1898), das aus Onyx und Bronze besteht.

Internierung 1913 und spätes Schicksal

Die Einweisung am 10. März 1913 durch Paul Claudel und die Mutter beendete die aktive künstlerische Laufbahn. Die Verlegung nach Montdevergues im Jahr 1914 markierte den Beginn einer dreißigjährigen Isolation. Während dieser Zeit besuchte der Bruder Paul Claudel sie insgesamt nur sieben Mal.

Die Korrespondenz der behandelnden Ärzte aus den 1920er Jahren dokumentiert wiederholte medizinische Empfehlungen für eine Entlassung. Diese Anträge wurden durch die Familie Claudel konsequent abgelehnt. Die Künstlerin verbrachte ihre letzten Jahrzehnte ohne Zugang zu künstlerischen Werkzeugen oder einer öffentlichen Galerie.

Rezeption und Forschung

Die kunsthistorische Einordnung von Camille Claudel war lange Zeit durch die Bezeichnung als „Schülerin Rodins“ limitiert. Diese Marginalisierung wurde erst spät aufgebrochen. Anne Delbée lieferte mit ihrem Werk Une femme. Camille Claudel (Paris, 1982) einen wesentlichen Beitrag zur Wiederentdeckung der Künstlerin. Eine umfassende Katalogisierung erfolgte durch Bruno Gaudichon (Hg.) in dem Werkverzeichnis Camille Claudel für das Musée Rodin Paris (1991).

Reine-Marie Paris veröffentlichte im Jahr 2000 unter dem Titel Camille Claudel re-trouvée eine neue biografische Perspektive. Ein bedeutender Ort der Erinnerung ist das Musée Camille Claudel in Nogent-sur-Seine, welches 2017 eröffnet wurde. Das Museum beherbergt Teile ihres Nachlasses und dient der wissenschaftlichen Aufarbeitung ihrer Plastik.

Abbildungen

  • Skulptur von Camille Claudel
    20150125 roubaix031, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Jeanhousen" title="User:Jeanhousen">Jean Housen</a>, 2015-01-25 15:08:42. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  • Skulptur von Camille Claudel
    Augustins - Paul Claudel à seize ans - Camille Claudel RA 941, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Archaeodontosaurus" title="User:Archaeodontosaurus">Didier Descouens</a>, Taken on 16 February 2018. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons,
  • Skulptur von Camille Claudel
    Buste Claudel Paul par Claudel Camille, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Ecritures" title="User:Ecritures">Ecritures</a>, 2022-06-13 15:37:31. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  • Skulptur von Camille Claudel
    Calvet,sculptures007 CLAUDEL Camille Paul Claudel1887a, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Finoskov" title="User:Finoskov">Finoskov</a>, 2018-05-27 14:31:57. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  • Skulptur von Camille Claudel
    Camille Claudel, "La Valse", 1889-1905, bronze fonte (1), <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Pierre_Andr%C3%A9_Leclercq" title="User:Pierre André Leclercq">Pierre André Leclercq</a>, Taken on 21 January 2015. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons,
  • Skulptur von Camille Claudel
    Camille Claudel-Paul Claudel-Calvet, <bdi><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/en:Camille_Claudel" class="extiw" title="w:en:Camille Claudel"><span title="French sculptor (1864–1943)">Camille Claudel</span></a></bdi>. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons,

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