Myron
Der Bildhauer Myron wirkte in der griechischen Klassik. Er wurde um 500 v. Chr. in Eleutherai in Boeotien geboren. Seine Hauptwirkungsphase erstreckte sich über den Zeitraum von 480 bis 440 v. Chr. Die antiken Quellen nennen ihn als einen der bedeutendsten Vertreter der Bronzeplastik seiner Epoche.
Die Forschung stützt sich bei der Rekonstruktion seines Schaffens primär auf römische Marmorkopien. Das ursprüngliche Material war fast ausschließlich Bronze. Da die Originale verloren gingen, bleibt die Identifizierung seiner Handschrift eine Aufgabe der Kopienanalyse. Er arbeitete in den großen Zentren der griechischen Welt.
Lebenslauf und Wirkungszeit
Myron stammte aus Boeotien. Seine frühe Ausbildung fand vermutlich in der Nähe von Athen statt. Die Hauptwirkungsphase seines künstlerischen Schaffens liegt zwischen 480 und 440 v. Chr. Er war ein Wanderkünstler. Seine Werkstätten befanden sich in Athen, Olympia und Argos.
Die antike Überlieferung liefert wichtige biografische Anhaltspunkte. Plinius der Ältere nennt ihn in der Naturalis historia (Buch 34, Kap. 57-58). Pausanias erwähnt ihn in der Hellados Periegesis (Buch 6, Kap. 8) im Zusammenhang mit den Athletenstatuen in Olympia. Diese Quellen bestätigen seine weite Verbreitung. Er war ein international agierender Bildhauer.
Werkstatt und Auftraggeber
Die Werkstatt des Myron befand sich nach 470 v. Chr. vermutlich in Athen. Die Produktion war auf den Wachsausschmelzguss in Bronze spezialisiert. Marmor kam in seiner Werkstatt nur selten zum Einsatz. Er arbeitete für bedeutende Institutionen.
Die Olympia-Stiftung gab ihm Aufträge für Athletenstatuen. Diese dienten der religiösen Verehrung im Heiligtum. Der staatliche Städtebau in Athen beanspruchte seine Dienste ebenfalls. Auch der Stadttempel in Argos war ein Ort seiner Tätigkeit. Er erfüllte komplexe Aufgabenstellungen, während er die technischen Grenzen des Bronzegusses auslotete.
Stil — Bewegungsdarstellung
Myron veränderte das Verständnis von Bewegung. Vor ihm dominierten statische Typen wie die des Polyklet. Diese Figuren zeigten den Kontrapost in einer eher ruhenden Form. Myron suchte den Moment der höchsten Spannung. Er fixierte den Wendepunkt einer Handlung.
Diese Dynamik ist sein Markenzeichen. Plinius der Ältere bewertete dies bereits in der Antike mit dem Urteil numerosior in arte quam Polyclitus. Das bedeutet, dass er kompositorisch reicher als Polyklet war. Er nutzte die plastische Form, um kinetische Energie zu suggerieren. Die Körperlichkeit folgt der Bewegung.
Hauptwerk Diskobolos
Der Diskobolos (Diskuswerfer) entstand um 460–450 v. Chr. Das Original aus Bronze ist verloren. Alle Kenntnisse basieren auf römischen Marmorkopien. Die Komposition zeigt einen Athleten im Moment des Ausholens. Der Körper bildet eine rhythmische Kurve.
Die wichtigste Kopie ist der Diskobolos Lancellotti. Er wurde 1781 entdeckt. Heute befindet er sich im Museo Nazionale Romano unter der Inventarnummer 56039. Die Provenienz dieses Objekts ist umstritten. Während der Mussolini-Zeit wurde die Statue für 5 Mio. Lire nach Deutschland transferiert. Nach 1948 erfolgte die Rückführung nach Italien. Eine weitere Kopie ist der Diskobolos Townley im British Museum (Inv. 250). Der Diskobolos Castelporziano steht in den Vatikanischen Museen.
Hauptwerk Athena und Marsyas
Die Bronzegruppe Athena und Marsyas entstand um 460–440 v. Chr. Das Original war auf der Akropolis in Athen aufgestellt. Es ist heute verloren. Die Gruppe zeigt die Göttin Athena, die die Flöte wegwirft. Der Satyr Marsyas versucht, das Instrument aufzufangen.
Es existieren fragmentarische römische Kopien. Eine Darstellung der Athena allein befindet sich im Liebighaus in Frankfurt. Ein Marsyas-Fragment ist im Vatikan in der Sala dei Bronzi aufbewahrt. Die Komposition zeigt eine starke Interaktion zwischen den Figuren. Die Dynamik der Geste ist zentral.
Rezeption und Forschung
Die antike Kritik lobte Myron sehr. Plinius der Ältere schreibt in der Naturalis historia (Buch 34, Kap. 57-58), dass er der Erste war, der das Wesen der Form zu zeigen begann. Pausanias beschreibt in der Hellados Periegesis (Buch 6, Kap. 8) die Wirkung seiner olympischen Statuen. Lukian gibt in Philopseudes 18 eine detaillierte Beschreibung des Diskobolos.
Die moderne Forschung setzt sich intensiv mit den Kopien auseinander. Brunilde Sismondo Ridgway analysiert in Greek Sculpture in Transition (Princeton 1970) die stilistischen Übergänge der Epoche. Sie untersucht, wie Myron die Formensprache veränderte. Die Zuschreibung bleibt ein komplexes Feld. Die Untersuchung der Oberflächenstrukturen erfolgt kontinuierlich.
Abbildungen
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Athena's head from Athena and Marsyas group (plaster cast in Pushkin museum after Dresden original) 01 by shakko, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Shakko" title="User:Shakko">user:shakko</a>, 2012. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. -
Athena's head from Athena and Marsyas group (plaster cast in Pushkin museum after Dresden original) 02 by shakko, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Shakko" title="User:Shakko">user:shakko</a>, 2012. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. -
Athena's head from Athena and Marsyas group (plaster cast in Pushkin museum after Dresden original) 03 by shakko, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Shakko" title="User:Shakko">user:shakko</a>, 2020. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Athena Marsyas, Gustav Hirschfeld, 1895. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, -
Athena and Marsyas-Botanical Gardends-Copenhagen, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Yair-haklai" title="User:Yair-haklai">Yair Haklai</a>, 2010-08-19. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. -
Athena and Marsyas (15467904881), <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.flickr.com/people/84554176@N00">Guillaume Baviere</a> from Copenhagen, Denmark, 2014-09-21 15:02. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0.