Phidias
Phidias lebt ca. 490 v. Chr. in Athen. Er ist der Sohn des Charmides. Seine Ausbildung erfolgt bei Hegias und Ageladas von Argos. Die Hauptwirkungsphase dieses Bildhauers liegt zwischen 460 und 430 v. Chr. unter der Ägide des Perikles. In dieser Zeit übernimmt er die Werkstattleitung der Parthenon-Skulpturen für den Zeitraum von 447 bis 432 v. Chr.
Seine späten Lebensjahre verbringt er in Olympia. Der Tod tritt ca. 430 v. Chr. ein. Die genauen Umstände des Ablebens bleiben umstritten, obwohl eine Inschrift aus Olympia, die 1958 dokumentiert wurde, einen Aufenthalt seiner Werkstatt belegt.
Lebenslauf
Die Biografie des Phidias stützt sich primär auf antike Berichte. Er entstammt einer athenischen Familie. Sein Vater heißt Charmides. Die künstlerische Formung erfolgt durch Hegias und Ageladas von Argos. Diese Lehrer vermitteln die Grundlagen der klassischen Bildhauerei.
Phidias erreicht seinen Zenit während des Perikleischen Zeitalters. Er leitet die monumentalen Arbeiten auf der Akropolis. Seine Tätigkeit erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Nach der Arbeit in Athen verlagert sich sein Schwerpunkt nach Olympia. Dort arbeitet er an einem Auftrag für den Zeus-Kult. Die archäologischen Funde zwischen 1954 und 1958 in Olympia stützen die Annahme eines Werkstattaufenthalts vor seinem Tod um 430 v. Chr.
Werkstatt und Auftraggeber
Der athenische Staat unter der Führung des Perikles fungiert als Hauptauftraggeber. Er beauftragt Phidias mit der Ausstattung des Parthenon. Die Werkstatt des Bildhauers arbeitet als großes Atelier. Zahlreiche Mitarbeiter führen die Arbeiten aus. Phidias übernimmt dabei die Rolle des leitenden Architekten und künstlerischen Dirigenten.
In Olympia erhält er einen Auftrag für den Zeus-Kult. Die Ausgrabungen in Olympia zwischen 1954 und 1958 liefern hierfür materielle Belege. Es wurden Tonformen und Werkzeuge gefunden. Ein signierter Becher mit einer Phidias-Inschrift bestätigt die Präsenz seiner Werkstatt vor Ort. Diese Funde belegen die organisatorische Struktur eines großen Bildhauers, der über ein festes Team von Assistenten und Handwerkern verfügt.
Hauptwerke — Athena Parthenos
Die Athena Parthenos ist eine chryselephantine Statue. Sie steht im Parthenon und wurde 438 v. Chr. vollendet. Die Höhe beträgt ca. 12 m. Das Material besteht aus Gold für den Mantel und Elfenbein für die Hautpartien. Ein Holzkern bildet das Fundament der Skulptur.
Plinius beschreibt dieses Werk in seiner Naturalis historia (NH 36,18). Die Statue ist verloren gegangen. Die Forschung nutzt die Varvakeion-Statuette als wichtigste Referenz. Diese Replik befindet sich im Nationalmuseum Athen unter der Inventarnummer 129. Sie erlaubt Rückschlüsse auf die Ikonografie und die Proportionen des Originals.
Hauptwerke — Zeus von Olympia
Der Zeus von Olympia ist eine chryselephantine Sitzstatue. Die Höhe liegt bei ca. 13 m. Die Datierung erfolgt auf den Zeitraum 437–432 v. Chr. Das Werk gehört zu den Sieben Weltwundern der Antike. Strabon nennt dies in seinen Geographika (Buch 8).
Pausanias liefert in seiner Hellados Periegesis (Buch 5, Kap. 11) eine detaillierte Beschreibung der Statue. Das Werk ging im 5. Jahrhundert n. Chr. durch einen Brand im Lauseion-Palast in Konstantinopel verloren. Da keine zeitgenössischen Kopien existieren, bleibt die visuelle Rekonstruktion auf Textquellen angewiesen.
Parthenon-Skulpturen
Phidias leitet die gesamte Bauplastik des Parthenon von 447 bis 432 v. Chr. Die Metopen zeigen Szenen der Kentauromachie, der Amazonomachie und der Ilioupersis (Zerstörung Trojas). Der Fries weist eine Länge von über 160 m auf. Er zeigt die Panathenäen-Prozession.
Die Giebelfiguren bilden die Geburt der Athena auf der Ostseite ab. Die Westseite zeigt den Streit zwischen Athena und Poseidon. Ein Teil dieser Skulpturen befindet sich im British Museum, nachdem sie zwischen 1801 und 1812 als Elgin Marbles entfernt wurden. Der Rest ist im Akropolismuseum in Athen untergebracht. Phidias steuert das Gesamtkonzept, während die Ausführung durch die Werkstatt erfolgt.
Rezeption und Forschung
Die antike Überlieferung bildet das Fundament der Kenntnis. Plinius der Ältere nennt in der Naturalis historia (Buch 34, Kap. 49–54) Details zu den Techniken und Materialien. Pausanias beschreibt die Wirkung der Skulpturen. Die Werkstattfunde aus Olympia (1954–58), insbesondere der signierte Becher, bieten eine archäologische Basis für die Zuschreibung.
Die moderne Forschung setzt sich mit der Frage der Werkstattleitung auseinander. Bernhard Schmaltz analysiert in Phidias und der Parthenon (Berlin 1980) die organisatorischen Abläufe. Brunilde Sismondo Ridgway untersucht in Fifth Century Styles in Greek Sculpture (Princeton 1981) die stilistischen Merkmale der Epoche. Die Debatte konzentriert sich auf das Verhältnis zwischen dem künstlerischen Konzept des Phidias und der handwerklichen Umsetzung durch seine Mitarbeiter.
Abbildungen
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Amazon Mattei clay statue Numismatic Museum of Athens Greece 01, Deiadameian, 2023-10-27 11:52:55. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Amazon Mattei clay statue Numismatic Museum of Athens Greece 02, Deiadameian, 2023-10-27 11:52:55. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Demeter and Kore from the east pediment of the Parthenon replica 01, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Deiadameian" title="User:Deiadameian">Deiadameian</a>, 2024-06-30 11:40:14. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Demeter and Kore from the east pediment of the Parthenon replica 02, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Deiadameian" title="User:Deiadameian">Deiadameian</a>, 2024-06-30 11:40:13. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Demeter and Kore from the east pediment of the Parthenon replica 04, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Deiadameian" title="User:Deiadameian">Deiadameian</a>, 2024-06-30 11:40:07. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Demeter and Kore from the east pediment of the Parthenon replica 05, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Deiadameian" title="User:Deiadameian">Deiadameian</a>, 2024-06-30 11:40:10. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.