Die Niobiden-Gruppe
Die Niobiden-Gruppe besteht aus 15 Marmorfiguren, welche eine Szene aus der antiken Mythologie darstellen. Das Ensemble umfasst die Hauptfigur Niobe sowie ihre 14 Kinder und einen Pedagogen. Die vorliegenden Skulpturen sind römische Marmorkopien aus dem 1. Jh. v. Chr. Sie basieren auf einem hellenistischen Bronzeoriginal, dessen Entstehung in das 3. Jh. v. Chr. datiert wird. Die Werkstatt des Originals ist wissenschaftlich umstritten; es werden Verbindungen zur Schule von Pergamon oder zu den Kreisen um Skopas diskutiert.
Das Ensemble befindet sich heute in der Galleria degli Uffizi in Florenz. Es ist dort im Sala della Niobe (Sala 42) aufgestellt. Die Figuren sind unter den Inventarnummern 230 bis 242 geführt.
Mythologische Quelle und Datierung
Die ikonografische Grundlage bildet der Bericht von Ovidius Naso in den Metamorphoses, Buch 6, Verse 146–312. Niobe, die Mutter von 14 Kindern, prahlt gegenüber Leto bezüglich ihrer Fruchtbarkeit. Leto ist die Mutter der Zwillingsgötter Apoll und Artemis. Als Strafe für diese Hybris erschießen Apoll und Artemis alle 14 Kinder der Niobe mit ihren Pfeilen.
Die Datierung der Marmorfiguren erfolgt auf den 1. Jh. v. Chr. Das ursprüngliche Vorbild war ein hellenistisches Bronzeoriginal aus dem 3. Jh. v. Chr. Die genaue Zuschreibung der Werkstatt des Bronzeoriginals bleibt unklar. Während die Forschung zwischen Athen und Pergamon schwankt, lässt sich eine eindeutige Zuordnung nicht belegen.
Wiederentdeckung und Provenienz
Die Gruppe wurde im Jahr 1583 in der Villa Rufina in Rom entdeckt. Nach der Ausgrabung verblieb die Skulpturengruppe über längere Zeit in privatem Besitz. Im Jahr 1769 erwarb die Familie Medici das Ensemble. Die Verlegung nach Florenz erfolgte im Jahr 1775.
Seit 1781 sind die Figuren in der Galleria degli Uffizi ausgestellt. Die Aufstellung in einem dedizierten Raum, dem Sala della Niobe, prägt die Präsentation im Museum bis heute.
Beschreibung und Komposition
Die Komposition umfasst 14 Kinder plus einen Pedagogen. Die Figuren bilden eine offene Bewegungsgruppe. Niobe steht mit einer Höhe von 228 cm im Zentrum der Anordnung. Sie versucht, ihre jüngste Tochter zu schützen, während die anderen Kinder in unterschiedlichen Stadien der Flucht, des Fallens oder des Sterbens dargestellt sind. Diese dynamische Gruppenbildung ist für römische Antikensammlungen untypisch.
Besonders prominent ist die Figur des sterbenden Sohnes, der als Pedagoge identifiziert wird. Die Drapierung der Gewänder und die körperliche Torsion der Figuren folgen den Prinzipien des hellenistischen Pathos. Die räumliche Staffelung der Körper erzeugt eine tiefenwirksame Bewegung innerhalb der Gruppe.
Restaurierungen und heutiger Standort
Die Skulpturen erfuhren im 16. und 19. Jahrhundert mehrfache Eingriffe durch Restauratoren. Eine umfassende und systematische Untersuchung sowie Restaurierung der gesamten Gruppe fand zwischen 1983 und 1986 statt. Der Restaurierungsbericht des Opificio delle Pietre Dure aus diesem Zeitraum dokumentiert die Maßnahmen zur Konsolidierung der Marmoroberflächen.
Die Figuren befinden sich in der Galleria degli Uffizi, Florenz, im Sala della Niobe (Sala 42). Die Inventarnummern lauten: 230 und 231 für Niobe und ihre Tochter sowie 232 bis 242 für die weiteren Kinder.
Forschung und Werkverzeichnis
In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung wird die Herkunft des Originals oft mit der Pergamon-Schule in Verbindung gebracht. Bernard Andreae vermutet dies in seinem Werk Skulptur des Hellenismus (München 2001). Heinrich Wölfflin beschreibt die Gruppe in Klassische Kunst (1899) als ein Beispiel für pathetische Bewegtheit.
Ein detailliertes Verzeichnis der einzelnen Figuren liefert Guido Mansuelli in Galleria degli Uffizi. Le sculture, Bd. I (Rom 1958). Die Forschung unterscheidet dabei strikt zwischen den dokumentierten römischen Kopien und den hypothetischen hellenistischen Vorbildern.
Abbildungen
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Groep sculpturen in de Niobezaal in het Neues Museum, Berlijn Neues Museum. Niobiden-Saal. Niobiden-Gruppe (titel op object) Berlin und Umgebung (serietitel op object), RP-F-F13929, Rijksmuseum, 1877. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC0.