Der Faun Barberini

Der Faun Barberini ist eine hellenistische Marmorskulptur mit einer Höhe von 215 cm. Das Objekt zeigt einen schlafenden oder betrunkenen Satyr in einer halb sitzenden, halb liegenden Position auf einem Felsblock. Die Skulptur befindet sich seit 1828 in der Glyptothek München unter der Inventarnummer 218.

Das Material ist ein heller Marmor, wobei die genaue Provenienz zwischen parischem und pentelischem Marmor variiert. Die Datierung wird auf die hellenistische Periode um 220 v. Chr. festgelegt. Die Zuschreibung bleibt Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen, da eine Zuordnung zur Pergamon-Schule aufgrund der stilistischen Parallelen zu den Athletenfiguren des Pergamonaltars möglich ist.

Datierung und Original

Die zeitliche Einordnung der Skulptur erfolgt auf die hellenistische Epoche um 220 v. Chr. Die formale Ausarbeitung weist Merkmale auf, die eine Verbindung zur Werkstatttradition des Pergamener Altarzyklus nahelegen. Nikolaus Yalouris beschreibt in seinen Studien zum hellenistischen Stil (1967) die spezifische Dynamik der Körperhaltung als typisch für die expressive Bildsprache dieser Zeit.

Hinsichtlich des Materials besteht eine Uneinigkeit zwischen parischem und pentelischem Marmor. Die Oberflächenbeschaffenheit lässt beide Optionen zu. Die Höhe der Skulptur beträgt exakt 215 cm. Eine eindeutige Bestimmung des ursprünglichen Bildhauers ist nicht möglich, da die Werkstattzuordnung aufgrund der stilistischen Ähnlichkeit mit den Athleten-Statuen der Pergamon-Schule im Raum steht.

Skulptur, Hauptansicht
Barberini Faun (5987288488), Erik Drost, 2010-04-13 03:42. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY 2.0.

Wiederentdeckung

Die Skulptur wurde zwischen 1620 und 1630 in Rom gefunden. Der Fundort war das sogenannte Mausoleum Hadriani (Engelsburg). Entgegen der verbreiteten Annahme, das Stück sei direkt in einer Villa der Familie Barberini entdeckt worden, erfolgte der Erwerb durch die Familie erst nach dem Fund im Mausoleum. Der Name des Objekts leitet sich aus dieser Besitzzugehörigkeit ab.

Die erste dokumentierte Restaurierung fand um 1623 in der Werkstatt von Gian Lorenzo Bernini statt. Bernini ergänzte das rechte Bein, die linke Hand sowie Teile des Kopfes. Diese Intervention folgte der antiken Komposition und wirkte dabei eindringlicher als spätere Eingriffe. Die Ergänzungen dienten der Wiederherstellung einer geschlossenen plastischen Form.

Beschreibung und Komposition

Das Standmotiv zeigt einen Satyr in einem Zustand des tiefen Schlafes oder der Trunkenheit. Der Körper ist stark gekrümmt und nimmt eine ungewöhnliche Position ein, die weder einem klassischen Kontrapost noch einer rein liegenden Pose entspricht. Die Komposition bildet eine schwere Schräge aus, wobei der linke Arm hinter den Kopf geführt wird und der rechte Arm seitlich am Körper ruht.

Zwischen den Beinen des Satyrs zeigt sich eine deutliche Öffnung im plastischen Gefüge. Der Felsblock dient als unmittelbare Stütze für den massigen Körper. Die Drapierung ist minimal, da die Skulptur die Anatomie des halb nackten Wesens betont. Die plastische Ausarbeitung der Muskulatur unterstreicht die physische Schwere der Figur.

Restaurierungen

Nach der barocken Restaurierung durch die Werkstatt Bernini um 1623 erfolgten Ende des 18. Jahrhunderts weitere Bearbeitungen in Rom. Dabei wurden kleine Glättungen an der Marmoroberfläche vorgenommen. Die Geschichte des Objekts ist durch politische Umbrüche geprägt, da die Skulptur zwischen 1803 und 1813 während der napoleonischen Ära nach Frankreich beschlagnahmt wurde.

Nach der Rückkehr nach Rom erwarb König Ludwig I. von Bayern das Werk im Jahr 1819 für 8.000 Scudi. Dieser Kauf steht exemplarisch für die deutsche Antiken-Akquisition im frühen 19. Jahrhundert. Die Skulptur gelangte 1828 in den Bestand der Glyptothek München (Inv. Nr. 218).

Forschung und Werkverzeichnis

Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Objekts erfolgte maßgeblich durch Adolf Furtwängler in seinem Werk Beschreibung der Glyptothek König Ludwigs I., München (1900). Er lieferte eine detaillierte morphologische Analyse der Skulptur. In der modernen Forschung bildet die Untersuchung von Nikolaus Yalouris (Studien zum hellenistischen Stil, 1967) die Grundlage für die Einordnung in den hellenistischen Kontext.

Ein Aspekt der materiellen Untersuchung ist die Polychromie. Vinzenz Brinkmann dokumentierte in Bunte Götter. Die Farbigkeit antiker Skulptur (Frankfurt, 2003) Pigmentspuren an der Lippe und am Auge des Satyrs. Diese Befunde stützen die Annahme einer farbigen Fassung der antiken Originale. Der Glyptothek-Bestandskatalog 2007 bestätigt den aktuellen Erhaltungszustand der Oberfläche.

Abbildungen

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