Thorvaldsens Löwenstatue in Luzern
Das Felsrelief des sterbenden Löwen befindet sich im Loewenpark in Luzern. Es handelt sich um eine monumentale Ausarbeitung in einem Sandstein-Felsen. Das Werk entstand zwischen 1820 und 1821. Auftraggeber war Karl Pfyffer von Altishofen, ein ehemaliger Offizier der Schweizer Garde, der die Ereignisse in Paris überlebte. Die künstlerische Konzeption stammt von dem dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen. Er modellierte das Motiv im Jahr 1819 in Rom als Tonbozzetto. Die physische Ausführung im Fels übernahm der Schweizer Bildhauer Lukas Ahorn. Das Denkmal wurde am 10. August 1821 eingeweiht.
Auftrag und Datierung
Der Auftrag für das Denkmal erfolgte im Jahr 1819 durch Karl Pfyffer von Altishofen. Pfyffer war ein Überlebender der Schweizer Garde und suchte eine plastische Form für das Gedenken an seine Einheit. Thorvaldsen fertigte die Modellierung des Motivs 1819 in Rom an. Die Umsetzung vor Ort in Luzern dauerte von 1820 bis 1821. Lukas Ahorn, ein Schweizer Bildhauer und Gehilfe Thorvaldsens, führte die Arbeiten am Sandstein-Felsen aus. Die feierliche Einweihung fand am 10. August 1821 im Loewenpark statt.
Historischer Hintergrund
Das Denkmal bezieht sich auf den Sturm der Pariser Volksmenge auf die Tuilerien am 10. August 1792. Dieses Ereignis markierte eine Endphase der Französischen Revolution. Die Schweizer Garde, deren Gründung auf das Jahr 1497 zurückgeht, verteidigte den französischen König Ludwig XVI. Während des Sturms wurden über 600 Schweizer Gardisten getötet. Viele der Überlebenden wurden in der Folgezeit exekutiert. Ein Massaker dieser Größenordnung an einer militärischen Einheit fand keinen Vergleich mit der Belagerung der Bastille.
Beschreibung und Komposition
Das Relief ist kein freistehendes Werk, sondern eine direkte Bearbeitung des Sandstein-Felsens. Das Motiv zeigt einen sterbenden Löwen in einer natürlichen Höhlung des Gesteins. Ein Speer durchbohrt den Brustkorb des Tieres. Die Pranken des Löwen ruhen auf zwei Schilden. Der linke Schild trägt die französischen Lilien, das heraldische Symbol der Bourbonen, wobei dieser Schild zerbrochen ist. Der rechte Schild zeigt das Schweizer Kreuz. Unterhalb der Szenerie befindet sich die lateinische Inschrift HELVETIORVM FIDEI AC VIRTVTI (Der Treue und Tugend der Schweizer).
Beteiligung Lukas Ahorns
Obwohl die ikonografische Idee von Thorvaldsen stammt, war die technische Realisierung am Felsen eine Leistung von Lukas Ahorn. Thorvaldsen lieferte das Modell aus Rom, während Ahorn die Steinmetzarbeiten in Luzern leitete. Die Zusammenarbeit zwischen dem dänischen Bildhauer und dem Schweizer Gehilfen wird durch eine Inschrift am Felsen dokumentiert. Dort steht geschrieben: THORVALDSEN INV[enit]. AHORN SCVL[psit]. (Thorvaldsen erfand. Ahorn meißelte.). Diese Formulierung unterscheidet präzise zwischen der schöpferischen Erfindung und der handwerklichen Ausführung im Stein.
Rezeption und heutiger Zustand
Das Denkmal erlangte internationale Bekanntheit durch literarische Beschreibungen. Mark Twain bezeichnete das Relief in seinem Werk A Tramp Abroad (Hartford 1880, Kapitel 26) als „das traurigste Stück Stein der Welt“. In der kunsthistorischen Betrachtung wird die Verbindung zwischen dem dänischen Klassizismus und der lokalen Ausführung betont. Else Kai Sass beschreibt in Thorvaldsen som portraitkunstner (Kopenhagen 1965) die gestalterische Kraft der Vorlage. Margrethe Floryan führt in Thorvaldsens Museum (Bestandskatalog) (2011) die Bedeutung der römischen Modellierung für die spätere Umsetzung an. Der Loewenpark dient heute als touristisches Ziel in Luzern. Eine Restaurierung wurde im Zeitraum 1968–1969 durchgeführt. Das Denkmal wird im Bestand des Stadtarchivs der Stadt Luzern geführt.
Abbildungen
-
Lion Monument (Lion of Lucerne), Lucerne, Switzerland SML.20150921.6D.34373.E1 (38382141092), <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.flickr.com/people/48973657@N00">See-ming Lee</a> from Hong Kong SAR, China, 2015-09-21 21:31. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY 2.0.