Augustus von Prima Porta
Die Marmorstatue des Augustus von Prima Porta zeigt den ersten römischen Kaiser in einer heroischen Darstellung als Feldherr. Die Skulptur misst 204 cm in der Höhe. Sie besteht aus Marmor, wobei die Materialanalyse auf pentelischen Marmor hindeutet. Derzeit befindet sich die Figur in den Vatikanischen Museen im Braccio Nuovo unter der Inventarnummer Inv. 2290.
Die Statue zeigt den Kaiser in einer Kombination aus militärischer Autorität und religiöser Sakralität. Die Datierung erfolgt um 20 v. Chr., wobei einige Forschungslinien, die sich auf die Rückgabe der Parther-Signa beziehen, auch das Jahr 17 v. Chr. als möglichen Entstehungszeitpunkt anführen.
Datierung und Aufstellung
Die zeitliche Einordnung der Skulptur stützt sich primär auf das ikonografische Programm des Brustpanzers. Die Darstellung der Rückgabe der römischen Feldzeichen durch die Parther im Jahr 20 v. Chr. liefert hierfür den entscheidenden Anhaltspunkt. Heinrich Klumbach führt in seinem Werk Augustus von Primaporta (Berlin 1939) die Verbindung zwischen dem historischen Ereignis und der bildlichen Umsetzung aus. Der verwendete Marmor ist vermutlich pentelisch, was auf eine Produktion oder Materialbeschaffung im griechischen Raum hindeutet. Die Höhe der Figur beträgt exakt 204 cm.
Wiederentdeckung in der Villa Liva
Am 20. April 1863 wurde die Statue in der Villa di Livia in Prima Porta, nördlich von Rom, entdeckt. Bei diesem Fundort handelt es sich um die Sommerresidenz der Livia Drusilla, der Ehefrau des Augustus. Die Grabungsleitung oblag Carlo Lodovico Visconti. Der Erhaltungszustand der Skulptur ist als außergewöhnlich zu bezeichnen, da die Erdbestattung innerhalb des Gebäudekomplexes die Oberfläche vor Witterungseinflüssen schützte.
Beschreibung und Komposition
Der Augustus wird in der Rüstung eines Feldherrn dargestellt. Die rechte Hand ist in einer oratorischen Geste erhoben, während die linke Hand ursprünglich eine Lanze oder eine Standarte hielt. Die Figur ist barfuß dargestellt. Dieser Umstand weist auf eine Heroisierung hin, da die Barfüßigkeit in der antiken Bildsprache oft die Göttlichkeit Verstorbener oder Halbgötter signalisiert. Augustus wurde möglicherweise als Modell für eine posthume Apotheose genutzt. Der Stand des Körpers folgt dem Prinzip des Kontraposts, wobei das rechte Bein vorgesetzt ist und das Gewicht auf dem linken Bein ruht.
Brustpanzer-Reliefs als Bildprogramm
Das zentrale Element der Skulptur bildet das Relief auf dem Brustpanzer. Dieses Programm thematisiert die Rückgabe der Parther-Signa im Jahr 20 v. Chr. Die Komposition ist hierarchisch gegliedert. Im oberen Bereich erscheint Caelus, der Himmelsgott. Darunter befindet sich Sol, der in seinem Sonnenwagen mit Helios dargestellt wird.
Die zentrale Szene zeigt eine Begegnung zwischen einem römischen Akteur, der als Tiberius oder als Mars Ultor identifiziert wird, und einem persischen Prinzen. Dieser Moment bezieht sich auf die Rückgabe der verlorenen Standarten aus der Crassus-Schlacht von 53 v. Chr. Die Darstellung dient der Legitimierung der augusteischen Herrschaft durch die Wiederherstellung der militärischen Ehre. Im unteren Teil des Panzers ist Tellus mit einem Füllhorn abgebildet. Diese Allegorie des Friedens verknüpft die militärische Restauration mit der pax Augusta. Paul Zanker beschreibt in Augustus und die Macht der Bilder (Muenchen 1987) diesen Zusammenhang zwischen politischer Propaganda und religiöser Symbolik.
Polychromie und Restaurierung
Die Skulptur war ursprünglich polychrom gefasst. Diese Annahme wurde durch eine UV-Untersuchung und eine detaillierte Pigmentanalyse im Zeitraum von 1996 bis 2000 bestätigt. Die Analyse ergab, dass der Brustpanzer Farben wie Rot, Blau und Gold aufwies. Die Augen der Figur besaßen eine braune Iris und eine weiße Sklera. Polychromie war in der antiken Bildhauerei kein Sonderfall, sondern ein Standard, wie Vinzenz Brinkmann in Bunte Goetter. Die Farbigkeit antiker Skulptur (Frankfurt 2003) darlegt.
Die Geschichte der Restaurierungen umfasst die erste Aufstellung im Jahr 1863, eine Maßnahme im Jahr 1942 sowie die umfangreichen Arbeiten zwischen 1996 und 2000 in den Vatikanischen Museen. Letztere dienten primär der wissenschaftlichen Dokumentation der Farbreste. Seit 2003 existieren auf Basis der Forschung von Vinzenz Brinkmann polychrome Repliken, die unter anderem in den Antikensammlungen München zu sehen sind.
Abbildungen
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Angeli - Roma, parte I - Serie Italia Artistica, Bergamo, 1908 (page 65 crop), <div class="fn value"> Diego Angeli</div>. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, -
Augusto de Prima Porta., <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Macesito" title="User:Macesito">Joel Bellviure</a>, 17-3-2023. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Augustus of Prima Porta (inv. 2290), <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Macesito" title="User:Macesito">Joel Bellviure</a>, 17-3-2023. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Augustus van Prima Porta in de Vaticaanse Musea te Vaticaanstad CESARE AUGUSTO MUSEO VATICANO (titel op object), RP-F-00-4475, Rijksmuseum, ca. 1875 - ca. 1900. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC0. -
Réplica del Augusto de Prima Porta (Santander), <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Jl_FilpoC" title="User:Jl FilpoC">Jl FilpoC</a>, 2018-11-24. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. -
Réplique de l'Auguste de Prima Porta P1040720, <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Miniwark" title="User:Miniwark">Miniwark</a>, 2012-08-05 11:24:27. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.