Thorvaldsens Jason mit dem Goldenen Vlies
Bertel Thorvaldsen (1770–1844) schuf die Skulptur Jason mit dem Goldenen Vlies als eine zentrale Arbeit des Klassizismus. Das Werk basiert auf einem Tonmodell aus dem Jahr 1803, welches nach der Modellierung in einen Gipsabguss überführt wurde. Die Ausführung in Marmor erfolgte erst im Jahr 1828. Die Skulptur misst eine Höhe von 246 cm. Sie befindet sich heute im Thorvaldsens Museum in Kopenhagen unter der Inventarnummer A52.
Auftrag und Datierung
Der englische Bankier und Sammler Thomas Hope fungierte als Auftraggeber des Werkes. Er sah das ursprüngliche Modell im Jahr 1803 in der römischen Werkstatt des Bildhauers. Zwischen der Entstehung des Modells und der finalen Marmorausführung vergingen 25 Jahre. Diese Verzögerung resultierte aus einer hohen Auftragslast der Werkstatt Thorvaldsen sowie aus finanziellen Streitigkeiten mit Hope. Die Arbeiten am Carrara-Marmor begannen erst 1828.
Ikonografische Quelle
Die bildliche Grundlage bildet die antike Erzählung des Apollonios Rhodios in den Argonautika (3. Jh. v. Chr.). Der Text beschreibt die Taten des Jason, der das Goldene Vlies aus Kolchis erlangt. Die Skulptur fixiert den Moment nach dem Sieg über den Drachen. Jason hält das Vlies in der erhobenen rechten Hand. Die Pose orientiert sich an der praxitelischen Tradition der antiken Bildhauerei.
Material und Technik
Thorvaldsen verwendete für die Ausführung Carrara-Statuario-Marmor. Die technische Umsetzung folgte dem Pointer-System der Werkstatt, wobei die Steinmetze die groben Formen aus dem Block arbeiteten. Die Detailpolitur führte der Bildhauer selbst durch. Die Komposition nutzt das Standmotiv des Kontraposts. Das linke Standbein orientiert sich an der Struktur des polykletischen Doryphoros, während die Gewichtsverlagerung eine klassische Symmetrie erzeugt.
Beschreibung
Die Figur steht in einem ausgeprägten Kontrapost. Das linke Bein fungiert als belastetes Standbein, wohingegen das rechte Bein leicht angewinkelt ist. In der erhoben rechten Hand hält Jason das Vlies, dessen Oberfläche eine goldene Polierung aufweist. Die linke Hand führt einen Sieger-Speer. Ein Helm mit Federbusch bedeckt den Kopf. Eine Drapierung ruht über dem linken Arm. Das Gesicht folgt einem idealisierten Typus klassischer Vorbilder ohne individuelle Porträtmerkmale. Else Kai Sass beschreibt in Thorvaldsen som portraitkunstner (Kopenhagen 1965) die Abkehr des Künstlers von der Individualität zugunsten des Ideals in diesem Werk.
Rezeption
Bereits im Jahr 1803 erhielt das Modell öffentliche Anerkennung durch Antonio Canova. Antoine-Chrysostome Quatremere de Quincy dokumentiert dieses Lob in seinem Werk Canova et ses ouvrages (Paris 1834). Thomas Hope zeigte sich trotz der langen Wartezeit bis zur Fertigstellung des Marmors grundsätzlich zufrieden mit dem Ergebnis. Eugene Plon behandelt die Bedeutung der Statue in seinem Werk Thorvaldsen, sa vie et son oeuvre (Paris 1867) im entsprechenden Kapitel. Seit der Eröffnung des Thorvaldsens Museums im Jahr 1848 bildet die Skulptur den kompositorischen Mittelpunkt der Sammlung.
Abbildungen
-
Jasão e o Velo de ouro - Bertel Thorvaldsen - 1803, <bdi><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/en:Bertel_Thorvaldsen" class="extiw" title="w:en:Bertel Thorvaldsen"><span title="Danish sculptor (1770–1844)">Bertel Thorvaldsen</span></a></bdi>, 1803<div style="display: none;">date QS:P571,+1803-00-00T00:00:00Z/9</div>. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons, -
ThorvaldsensJason, <bdi><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/en:Bertel_Thorvaldsen" class="extiw" title="w:en:Bertel Thorvaldsen"><span title="Danish sculptor (1770–1844)">Bertel Thorvaldsen</span></a></bdi>, 1803<div style="display: none;">date QS:P571,+1803-00-00T00:00:00Z/9</div>. Wikimedia Commons. Wikimedia Commons,